Kommentar zu Agiler Kapitalismus – Das Leben als Projekt

Eigentlich wollte eine Blog-Reihe schreiben zum Thema Veränderung des individuellen Mindsets und Politisierung der Arbeit durch zur Hilfenahme von DevOps und agiler Methodiken.

Nun entsteht hier ein Post der sich mit dem Buch von Timo Daum beschäftigen wird und seiner Sicht, was aber nicht meinen initialen Ansatz komplett widerlegen wird, sondern ihn und auch das generelle Vorgehen im Kapitalismus versuchen wird zu vereinen.

Die erste Frage, die ich mir stellen musste, war was denn heute noch nicht vom Kapitalismus verwertet wird?

Subkulturen sind zu Waren und Business Modellen geworden und genauso werden sie verteidigt. Ich mag nicht die individuelle Ernsthaftigkeit hinter kritischen Bewegungen infrage stellen, aber die systemische Entwicklung hinzu kapitalorientierter Verwertung lässt alle Gedanken und individuellen Entwicklungen auf von der Industrie zugeschnittene Bedürfnisbefriedigungen reduzieren und somit jeden Menschen und ihn selbst als “commodity”, also als Konsument:in und inzwischen auch als Ware abgebildet sehen. Selbst so wichtige Themen wie Diversität sind ein wichtiges Label für Firmen geworden. Die Vereinnahmung von nicht nur linken und anarchistischen Themen lassen sie im Kapitalismus aufgehen und Anleger:innen verdienen damit.

Diese Sichtweise und die geht auch aus dem Buch von Timo Daum hervor, in dem er beschreibt wie eine angebliche Hierarchielosigkeit und Autonomie durch sich selbstregulierende Menschen und Prozesse eine menschliche Maschine erzeugt. Dies ist auch alles korrekt und lässt für sich gesehen dies als Kritik und Abscheulichkeit des Systems feststellen.

Aber, ja es gibt ein “aber” in meiner Sicht auf die Entwicklung.

Revolution als Bestandteil des Lebens. Ein Kreislauf der, wenn er unterbrochen wird, tagtäglich im konservativen Handeln widergespiegelt wird. Sicher entbehrt das Vorgehen des Kapitalismus jegliche Menschlichkeit und Ernsthaftigkeit (oder Authentizität, was auch schon vom Markt als Begriff geschluckt wurde), aber was uns die letzten Jahrzehnte gezeigt haben ist, dass die konservative Ausdauer und das Denken dahinter in eine sehr schlimme Situation manövriert haben.

Der Kern hinter dem agilen Mindset und der Methodik ist wichtiger und lässt Menschen lernen, was der Ansatz einer ewigen Revolution ist. Dies steht konträr zu dem Verhalten was wir von unseren Eltern oder Mitmenschen, bzw. eben der Politik kennen. Eine nachhaltige Veränderung der Menschen, die in der Lage sind ihr Leben zum Punkt X nicht als gegeben hinzunehmen und zu verteidigen, “koste es was es wolle”, braucht die Vermittlung von ebendiesem Mindset einer agilen Methodik.

Sicher wäre mir eine Aufklärung der Menschen und eine nachhaltige Veränderung unseres Systems lieber, und das sofort. Der Prozess dahin ist ein langer und wenn es den Kapitalismus bedarf der zumindest hier einen kleinen Teil beiträgt, dann sind das die kleinen positiven Beiträge, die so unbemerkt daher kommen mögen, aber wichtig sind.